Die Deutsche Energieversorgungslüge an Hand fehlender Infrastruktur beim Strom erklärt

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Wer ein E-Auto fährt, weiß künftig nicht, wie viel Strom er bekommt

Elektroauto an öffentlicher Ladestation
Das Aufladen von E-Autos wird zum Glücksspiel, wenn ab 1. Januar vonseiten der Netzbetreiber die Stromzufuhr gedrosselt werden darf Foto: dpa

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Das Elektroauto ist nicht die Lösung, weil die Stromnetze nicht ausgebaut sind. Wenn sie das Gegenteil behauptet, sagt die Regierung nicht die Wahrheit, meint Gunnar Schupelius.

Am Montag empfing Bundeskanzler Scholz (SPD) die Autoindustrie zum Gipfeltreffen im Kanzleramt. Er wollte Wege finden, wie bis 2030 die Zahl der Elektroautos in Deutschland auf 15 Millionen erhöht werden könnte. Das wünscht sich die Regierung.

Aktuell sind in Deutschland 49 Millionen Pkw zugelassen, davon nur 1,3 Millionen mit reinem Elektroantrieb.

Im Kanzleramt herrschte Ratlosigkeit, man ging ohne Ergebnis auseinander. Die Industrie beklagte die hohen Strompreise und dass es zu wenig Ladesäulen gebe. Der Kanzler stand wegen der aktuellen Haushaltskrise mit leeren Taschen da.

Gleichzeitig wurde Montag bekannt, dass 2024 ein neuer Paragraf des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) in Kraft tritt. Danach kann der Strom für Ladestationen und Wärmpumpen gedrosselt werden, wenn die elektrische Energie knapp wird. So soll einem Zusammenbruch der Stromversorgung vorgebeugt werden.

Dieser Ausblick ermutigt wirklich niemanden zum Kauf eines elektrischen Kfz. Schlimmer hätte es für den Gipfel im Kanzleramt nicht kommen können.

Wie wird die Stromzuteilung in Berlin aussehen? Das gab die „Stromnetz Berlin GmbH“ auf Nachfrage bekannt, die das Berliner Stromnetz betreibt: Wenn in einer Wohngegend sehr viele Elektroautos gleichzeitig laden oder viele Wärmepumpen unter Volllast laufen, wird die Stromzufuhr gedrosselt.

Die Stromkunden werden nicht gefragt, aber auf einer Internetplattform informiert. Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdienst werden von der Stromzuteilung ausgenommen.

Strom soll also rationiert werden wie in einer Mangelwirtschaft. Das wird jetzt offen zugegeben.

Vor einem Jahr hörte es sich noch ganz anders an. Da sagte ein Stromnetz-Sprecher auf unsere Nachfrage, „dass das Berliner Stromnetz die Anforderungen durch die Elektromobilität bis zu 100%iger Durchdringung erfüllen kann.“ Das war also eine Fehlinformation. Vor einem Jahr wollte die Regierung noch nicht offenlegen, wie knapp es werden kann.

Das Stromnetz in Berlin sollte zügig ausgebaut werden, hieß es schon vor Jahren. Doch daraus wurde nichts. Am Dienstag konnte man im Abgeordnetenhaus erfahren, dass in den kommenden zwei Jahren 250 bis 300 Millionen Euro benötigt werden, um das Stromnetz so auszubauen, dass es die Last von immer mehr E-Autos und Wärmpumpen tragen kann. Doch dieses Geld ist im Haushalt gar nicht vorgesehen.

Die Zukunft sieht düster aus: In elf Jahren (2035) wird die Neuzulassung von Benzinern und Dieselwagen verboten, so hat es die EU beschlossen. Bis dahin werden die Stromnetze nicht in der Lage sein, die zunehmende Zahl von Elektroautos zu versorgen, abgesehen davon, dass aufgrund des Kohleausstiegs überhaupt nicht genug Strom produziert wird.

Solange sich das nicht ändert, ist das E-Auto nicht die Lösung. Wenn die Regierung es dennoch behauptet, dann sagt sie nicht die Wahrheit.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de